VON TRIER

DAS AMPHITHEATER

AUGUSTA TREVERORUM 

Trier. Salvianus von Massilina, der christliche Kirchenvater, berichtete um 450 in seinem Hauptwerk  von der Weltregierung Gottes (lat.: De gubernatione Dei)VI. 14-15. unter  anderem von dem viermal zerstörten Trier. Ich zitiere:

 

„Überall […]lagen nackte und zerfleischte Leichen beiderlei Geschlechts […], von Vögeln und Hunden zerrissen; Verderben für die Lebenden war der üble Geruch der Toten. Der Tod hauchte neuen Tod aus.“

Doch nach all den Grausamkeiten die er dort sah, stellte er fest dass die:

„Wenige(n) Adlige(n),  die das Verderben überlebt hatten, forderten von den Kaisern Zirkusspiele, sozusagen als höchstes Trostmittel für die zerstörte Stadt.“

 

Er fährt in De gubernatione Dei VI. 15-16 fort:

 

„Zirkusspiele als ihr Trierer, wünscht ihr, und zwar trotz der Verwüstung, trotz der Einnahme, nach der Niederlage, nach dem Blutvergießen, nach Qualen, nach Gefangenschaft, nach all den Katastrophen eurer zerstörten Stadt?“

 

„Panem et circenses„ Brot und Zirkusspiele, man kann den Stellenwert der Spiele in der damaligen Zeit als sehr hoch einschätzen. Die Trierer, sind in der Mehrzahl keine moralisch verworfenen Römer, sondern Treverer, ein keltischer Stamm, der im Laufe der Zeit die römische Lebensform übernommen hatte, so eben auch den Besuch des Amphitheaters. Sie nutzten das Theater aber nicht nur für Kampfspiele, sondern auch für Gemeindeversammlungen und religiöse Feste. Hier im Amphitheater von Trier soll auch der Frankenkönigund Merogaisus durch Konstantin hingerichtet worden sein. Darüber streiten sich aber die Experten. Auch die Gefangenen des Stammes der Brukterer und frühe Christen sind hier wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen worden. Diese grausame Prozedur beschreibt Eusebius in seiner Kirchengeschichte in aller Ausführlichkeit. Er bezieht sich dabei nicht auf Trier, die Vorgehensweise war jedoch im ganzem Reich ähnlich. Ich möchte deshalb hier nicht näher darauf eingehen.

 

In der Villa Nennig, an der Obermosel sind Mosaikbilder zu sehen auf denen der Ablauf der Torturen sehr deutlich geschildert wird. Sehr wahrscheinlich stellen sie die Ereignisse im Amphitheater Trier dar.

 

So gab es nach einer musikalischen Darbietung mit Orgeln und Bläsern, für  die Deliquenten Prügel.  Anschließend kämpften wilde Tiere gegeneinander, danach  erfolgte die Auseinandersetzung Mensch gegen Tier. Weiter ging es auf den Mosaiken mit einem Kampf Mensch gegen Mensch. Ein Schiedsrichter gab Acht, dass sie die Regeln nicht verletzten.

 

Architektur:

 

Das Amphitheater der Stadt Augusta Treverorum (Trier), wurde schon ab 100 n. Chr. erbaut,  ist  kein freistehendes Theater, das weithin durch seine Außenwände mit den großen Bögen sichtbar ist. Im  späten 2.Jh. an einem Hang gebaut, in eine natürliche Vertiefung des Geländes, schüttete man auf der anderen Seite einen kleinen Hügel auf. Das Amphitheater ist mit der Stadtmauer verbunden und hatte dadurch auch die Funktion des Osttores der Stadt. Von der Stadt kommend, konnten die Einwohner durch den Eingang im Norden hinein, über den Platz und durch den südlichen Ausgang aus der Stadt wieder hinaus gehen.

 

Auf dem Modell der Stadt ist zu sehen, dass der Bau den Abschluss im Osten von einer Trasse, die von der Brücke an den Barbarathermen geradewegs über das Forum verläuft, bildet.

Das römische Theater ist im Gegensatz zum Griechischen oval gestaltet und die Sitze der Zuschauer, die Tribünen, sind auf beiden Seiten gruppiert, so auch im Amphitheater von Trier.

 

Hier hatten 18 000 – 20 000 Zuschauer Platz. Entsprechend der Sozialstruktur der städtischen Gesellschaft war auch die Sitzverteilung im Theater festgelegt. Der Rat (decuriones) oder Mitglieder eines collegium – eine bestimmte Vereinigungen, in Augusta Treverorum z. B. der Handwerker, bekamen die besseren Plätze.  Die Plätze waren waren namentlich markiert.

 

Ellipsenförmig gestaltet sind die Eingänge im Norden und Süden ca. 5,80  Meter breit und sie wurden von einem Tonnengewölbe überdeckt. Mauern in Form eines Turmes sichern die Eingänge gegen den Erddruck ab. Drei insgesamt 20 Meter hohe Geschosse untergliedern das Bauwerk. 

 

Die Stadtmauer schließt sich an das Amphitheater an und endet mit einem Mauerkopf. Das Theater wurde praktisch von der Stadtmauer umrundet und damit zu einer Bastion ausgebaut.

 

Im Westen führten Gänge (Vomitorium), welche ca. 50 Meter lang waren, in die Stadt bzw. von der Stadt in das Theater. Sie waren für die Zuschauer bestimmt, die großen Haupteingänge im Norden und Süden wurden eher für festliche Aufzüge benutzt, sie waren kein Vomitorium

Die Arena ist ca. 70 Meter lang und 48 Meter breit. Sie wird umsäumt von einer vier Meter hohen Mauer, die als Schutz für die Zuschauer diente. Zu sehen sind auf den folgendem Bild auch zwei Eingänge in das Amphitheater, jeweils ein Vomitorium.

 

Ist man hinaufgestiegen zum Mauerkopf, dann ist die ganze weite Arena mit den Zuschauertribünen zu sehen. Von der Mauer, die die Arena umgab berichtete ich bereits.  Sie enthält 13 Türen, die in Keller führen.

Von einigen ist es möglich durch Gänge von der Arena auf die Zuschauerränge und zur Ehrentribüne zu gelangen.

Durch Andere gelangt man in Verliese mit einer Gewölbedecke. Hier hielt man die Tiere, für die  Arena.

Der Boden der Arena war weder heute, noch in der Antike zu sehen, besteht aus Schiefer. Viele Löcher und Rillen darin bezeugen, dass es einst Auf- und Einbauten aus Holz gab, die dort verankert waren.

Ein Entwässerungsgraben der ca. 90cm breit war und ein Meter tief, entwässerte die Keller unter der Arena.

 

Durch einen Kanal, der heute noch funktioniert, floss das Wasser in den 150 m weiter fließenden Olewiger Bach.

Experten schätzen ein, dass es nicht möglich war das Amphitheater zu fluten, um Seeschlachten aufführen zu können.

 

Ein kreuzförmiger Arenakeller ist eine kleine Herausforderung, er steht unter Wasser und war nur über Stege zu begehen. Auf- und Abgänge führten aus der Arena dort hinein. Sie sind leider nicht mehr vorhanden. Im Keller lagen einige Hölzer in sumpfartigen Boden. Sie wurden dendrochonologisch in die Jahre 294 und 304 eingeordnet. Aus diesen Jahren stammen ebenfalls die dort gefundenen Münzen. Auch eine Hebebühne fand man. Sie diente dem Abtransport der Leichen in das Kellergeschoss.

Nach diesem Keller geht es zum Nordausgang.

Ursprünglich war dieses Tor durch eine zweifache Torsperre gesichert, denn es gehörte zur Stadtmauer und ist auch Stadttor. Hier sind die großen Keilsteine interessant, mit denen früher die Ausgänge überdacht waren. Als in den Jahren 405/407 die Stadt nicht mehr verteidigt werden konnte, zog sich die restliche Bevölkerung in die Arena zurück und überstand so die Invasion der Vandalen.

 

1986 wurde dieses Amphitheater gemeinsam mit anderen antiken Bauten aus Trier, in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen.

Quelle:

Salvianus von Massilina: Erhaltene Schriften von der Weltregierung Gottes vier Bücher an die Kirche (De gubernatione Dei), lat. und dt. übers., eingel. A. Mayer, München 1935

Literatur:

Bauer, R.: Trier Rom des Nordens, Trier 2015.

Clemens, G. u. L.: Geschichte der Stadt Trier, München 2007

Cüppers, H. (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz, Mit Beitr. v. Bernharrd, H. …, Stuttgart 1990.

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz(Hrsg.): Goethert, K., Weber, W.: Römerbauten in Trier. Führungsheft 20. Edition Burgen Schlösser Altertümer, 2. Aufl. Regensburg 2010.

Heinen, H.: Trier und das Trevererland in römischer Zeit, Trier 1997

Krencker, D.: Das römische Trier, Berlin 1923

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